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Berliner Meeresdachgarten

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Abgehoben: Meeresdachgarten über dem Himmel Berlins

Dieser Garten ist nicht öffentlich, zu gefährlich. 65 Meter über dem eigentlichen Meeresspiegel, im 5. Stock eines Industriekomplexes erstreckt sich ein Stück Meeresküste über Hunderte Quadratmeter. Keine Geländer, nur Freiheit. Der Blick ist atemberaubend. Am Abend geht die Sonne am Horizont über dem Teufelsberg majestätisch unter. Bienen summen, es zirpt, Libellen schweben. Dieser Garten ist doch etwas anders: in den Beeten liegen Berge von Muschelschalen. Getrockneter Seetang und Algen kräuseln sich drum herum. Ein leichter Duft von Salz erfüllt die Luft. Hier herrscht eine andere Atmosphäre. Auf dem Goerzwerkdach in Berlin-Lichterfelde geht es maritim zu. Periskope aus dem Goerzwerk wurden für den U-Bootkrieg  hier einst unterm Dach hergestellt. Die Seezeichen haben sich geändert. 
 
Heute geht die Schlacht mit feinerem, globalen Blick voraus: gegen die Versalzung der Böden durch künstliche Bewässerung. Jeden Tag gehen weltweit 2000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche verloren. Und gegen die Versteppung im Raum Berlin-Brandenburg. Gegen Monokulturen und Artensterben. Gegen kulinarische Einfalt, Monokultur in Hausgärten und Lebensmittelverschwendung. 
 
Auf dem Berliner Meeressdachgarten befindet sich die Urban Salt Farm von Landschaftsgärtner Andreas Frädrich. Seine Waffen sind die Wiederentdeckung uralter Gemüse-, Wildobst- und Kräutersorten von der Küste (vor allem aus dem Wattenmeer) und der Anbau von Salzwiesenkräutern sowie salztoleranter schmackhafter Kartoffelsorten. Alle sind von Natur aus Extremisten.
 
Hier auf dem Daachgarten geht es zu wie bei einem der typischen Apokalypse-Filme. Frost, Dürre, Überschwemmung, Versalzung, extreme Hitze, orkanartiger Sturm, nichts bleibt den Pflanzen und Menschen hier oben erspart. Besonders in diesem Sommer. Berlin-Brandenburg ist mittlerweile die trockenste Region Deutschlands. Pflanzen von der Meeresküste und den Salzwiesen kommen mit Extremen wie sintflutartigem Starkregen oder Dürreperioden sehr gut zurecht. Etwas militärisch betreibt Frädrich das ganze Thema: Für Sozialromantik ist hier oben nicht viel Platz. Grüne, gentechnikfreie, vegane und nachhaltige Lebensmittel stehen zwar voll im Trend. Viele Urban Farming Projekte sind ihm aber zu touristisch oder zu techniklastig und damit nicht wettbewerbsfähig. Wäre die Erde ein Raumschiff, ginge es nicht um Geld, sondern um Ressourcen. Hier, wo man dem Himmel etwas näher ist, will man förmlich rufen: Captain Kirk -  Beam me up! Oder: wann kommt endlich der Regen?
 
Dennoch geht es auf dem Pflanzen-Oberdeck hart aber herzhaft zu. Hier hat man sich zugleich der Farm-to-Table Bewegung verschrieben: Kräuter und Gemüse ressourcenschonend anzubauen, mit kürzesten Lieferwegen und höchster Frische. Es ist kein „Holodeck“: Die Kräuter und Gemüse hier oben haben ein Alleinstellungsmerkmal. Sie sind schwer gesund, waren einst Vitamin-C-Versorger in der Seefahrt, wie z.B. bei den Wikingern. Aktuell bekommt man diese Gemüse und Kräuter nicht beim Türken, nicht beim Asiaten, nicht beim Discounter, nicht im Supermarkt und auch nicht auf dem Großmarkt. International werden diese als Raritäten vor allem für Sternerestaurants exportiert aus Südeuropa, Israel oder Südamerika, und dann nur als Schnittware. 
 
Es sind wiederentdeckte Zutaten für die maritime Küche, die Spitzengastronomie und auch neue Akzente für veganes Seafood, mit völlig anderen Geschmacksnoten. Die Pflanzen haben ein raues Klima hinter sich, das fühlt man regelrecht, etwa bei den dickfleischigen Blätterpflänzchen, die von Natur aus schon salzig schmecken. Schon vor Tausenden von Jahren ist der Ur-Kohl oder die Ur-Rübe an den Meeresküsten entdeckt worden - mit hervorragenden Eigenschaften, die nun durch Gentechnik ins Absurde manipuliert werden. Auch diese unverfälschten Urahnen werden erforscht.  Der Verkauf der Salzpflanzen vom Berliner Meeresdachgarten erfolgt hauptsächlich in Topfkultur.
 
 
Ein bißchen technisches
 
Die Höhe des Gründach-Schichtaufbaus auf dem Goerzwerk beträgt etwa 15 Zentimeter, das Gewicht etwa 170 kg/m² (1,7 KN/m²). Extensivbegrünungen sind auf flachen und geneigten Dächern bis 45° Neigung möglich. Die Pflege und Wartung von extensiven Dachbegrünungen ist gering und hängt von der Vegetationsform ab. Extensive Gründächer werden nicht dauerhaft genutzt und nur im Rahmen der Pflege und Wartung begangen. Sie sind in erster Linie als ökologischer Ausgleich überbauter Natur gedacht. Extensive Dachbegrünungen unterliegen den natürlichen und jahreszeitlich bedingten Vegetationsentwicklungen und Bestandsumbildungen. Die allgemeinen Kostenrichtwerte für extensive Dachbegrünungen liegen in Abhängigkeit des Gründach-Aufbaus und der Flächengröße bei etwa 40 Euro/m². Der Meeresdachgarten wird ermöglicht durch den Goerzwerk-Eigentümer Silvio Schobinger. 
 
Einen weiteren Vorteil hat der etwas abgehobene Dachgarten hoch über Lichterfelde auch noch: Hier oben gibt es weder Wildschweine, Maulwürfe, Wühlmäuse noch Kaninchen, die Schaden anrichten könnten. Gedüngt wird der nährstoffarme Dachgarten übrigens mit Seetang, der von der Strandreinigung der Ostsee stammt. Das Abfallprodukt aus dem Meer, für das es sonst keine Verwendung gibt, wird so zu hochwertigem Meereskompost aufgewertet. Noch vor ein paar Jahren galt dies als unverwertbarer Sondermüll. Ein interessanter Nebeneffekt: viele Plastikteile werden beim Beach-Clean manuell aussortiert und fachgerecht entsorgt.
 
 
 

RBB Gartenzeit

Ulrike Finck besucht die Meeresgärtnerei im Goerzwerk in Berlin-Lichterfelde

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Deutschlands einziger Meeresdachgarten

Aus der Presse

Die Waterkant von Lichterfelde - Bericht im "Tagesspiegel"

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